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Von deutscher Pünktlichkeit zur Freiheit der spanischen Siesta

Leben in Spanien - Silvia Belmonte entspannt inmitten mediterraner Natur

30 Jahre Spanien – von „Das geht so nicht“ zu „Mañana“.

30 Jahre Leben in Spanien haben mir nicht nur ein anderes Land, sondern eine andere Sicht auf das Leben geschenkt. Das Leben in einer neuen Kultur hat mich dazu gebracht, meine eigenen Prägungen und Gewohnheiten zu hinterfragen – von deutscher Pünktlichkeit und Perfektionismus bis hin zu Kontrolle und ständigem Funktionieren. Die spanische Siesta wurde dabei für mich zum Symbol einer anderen Lebensweise: mehr Pausen, mehr Gelassenheit und mehr Raum für Lebensfreude. Heute verbinde ich beides: Ambition und Verantwortung mit Leichtigkeit, Flexibilität und der Fähigkeit, das Leben nicht immer ganz so ernst zu nehmen.

Ich lebe seit 30 Jahren in Spanien.

30 Jahre!

Wenn ich das so schreibe, muss ich selbst kurz innehalten.

Denn eigentlich bin ich nach Spanien gekommen, um hier zu leben – und nicht, um eine Persönlichkeitsentwicklung zu machen.

Aber genau das ist irgendwie nebenbei passiert.

Und zwar ganz einfach durch das Leben und neue Entscheidungen.

Durch Menschen. Durch eine andere Kultur. Durch andere Gewohnheiten. Durch Situationen, bei denen ich anfangs dachte:

„Das kann doch jetzt nicht euer Ernst sein.“

Und irgendwann dachte ich:

„Vielleicht muss es ja auch gar nicht so sein, wie ich es bisher kannte.“

Das war der Anfang von ziemlich viel Veränderung.


Ich war schließlich Deutsche

Und damit meine ich das mit einem Augenzwinkern.

Ich war pünktlich.

Sehr pünktlich.

Wenn ich um 10 Uhr irgendwo sein wollte, war ich um 9:55 Uhr da.

Ich plante.

Ich organisierte.

Ich wollte Dinge richtig machen.

Und wenn möglich natürlich perfekt.

Ich war es gewohnt, Verantwortung zu übernehmen und Dinge einfach zu erledigen.

Funktionieren konnte ich.

Und zwar ziemlich gut.

Nur irgendwann habe ich festgestellt, dass man darin auch ziemlich gut werden kann – und dabei vergessen, dass das Leben nicht nur aus Funktionieren besteht.

Spanien hat mir einen ziemlich guten Spiegel vorgehalten.

Vielleicht kennst du dieses Gefühl: Nach außen funktioniert alles – und trotzdem fragst du dich irgendwann, ob dein Leben eigentlich noch zu dir passt.
Dazu habe ich hier schon einmal geschrieben: „Was, wenn dein bisheriger Erfolg dein Leben einschränkt?“


Was, wenn „normal“ nur eine Gewohnheit ist?

Das ist wahrscheinlich eine der größten Erkenntnisse, die mir das Leben in Spanien geschenkt hat.

Wenn du lange in einer Kultur lebst, hältst du bestimmte Dinge für selbstverständlich.

So macht man das eben.

So ist man.

So funktioniert das Leben.

Bis du plötzlich in einer anderen Kultur lebst und feststellst:

Ach. Es geht auch anders.

Was für mich normal war, war für andere manchmal völlig übertrieben.

Meine Pünktlichkeit.

Mein Planungsdrang.

Mein Bedürfnis, Dinge unter Kontrolle zu haben.

Mein Anspruch, alles richtig zu machen.

Und plötzlich wurde mir bewusst:

Vielleicht bin ich gar nicht so.

Vielleicht habe ich nur sehr lange gelernt, so zu sein.

Das ist ein ziemlich großer Unterschied.


Und dann kam die Siesta

Ich glaube, die Siesta war eine meiner schönsten kulturellen Lektionen.

Am Anfang habe ich sie wahrscheinlich nicht ganz verstanden.

Mittags einfach Pause machen?

Während der Arbeitszeit?

Und dann auch noch schlafen?

Was soll denn in der Zeit alles liegen bleiben?

Heute gehört die Siesta zu meiner Lebensroutine.

Nicht unbedingt, weil ich schlafen muss.

Manchmal mache ich einfach Pause.

Ich unterbreche meinen Tag.

Ich lege das Handy weg.

Ich sitze irgendwo.

Ich trinke einen Kaffee.

Ich lese ein paar Seiten.

Oder ich mache einfach … nichts.

Und das Schöne daran:

Ich fühle mich nicht mehr schuldig dabei.

Früher hätte ich wahrscheinlich gedacht:

„Ich müsste eigentlich noch …“

Heute denke ich:

„Ich könnte auch einfach kurz gar nichts müssen.“

Was für eine revolutionäre Erkenntnis.

Für eine Deutsche.

Die Siesta hat mir beigebracht, dass eine Pause kein Luxus und schon gar keine Zeitverschwendung ist.

Sie ist Teil des Lebens.

Und vielleicht ist genau das der Punkt:

Das Leben muss nicht zwischen zwei produktiven Phasen stattfinden.

Wer mehr über die Siesta und den spanischen Umgang mit Zeit erfahren möchte, findet hier einen interessanten Hintergrundartikel der Süddeutschen Zeitung: Ist die spanische Siesta auch ein Modell für Deutschland?


Kontrolle ist auch nur eine Gewohnheit

Natürlich habe ich nicht plötzlich aufgehört, Dinge zu planen.

Das wäre vermutlich auch für mein Umfeld ziemlich gewöhnungsbedürftig gewesen.

Aber ich habe gelernt, dass nicht alles kontrollierbar ist.

Und noch wichtiger:

Dass es nicht notwendig ist, alles kontrollieren zu wollen.

In Spanien funktioniert manches anders.

Manchmal langsamer.

Manchmal spontaner.

Manchmal überhaupt nicht so, wie man es geplant hatte.

Und irgendwann kannst du dich entscheiden:

Will ich mich jedes Mal darüber aufregen?

Oder akzeptiere ich einfach, dass das Leben gerade anders läuft?

Ich habe mich immer öfter für die zweite Variante entschieden.

Nicht aus Gleichgültigkeit.

Sondern aus Gelassenheit.


Ich habe gelernt, nicht jede Emotion zu managen

Leben in Spanien - Silvia Belmonte frei und unbeschwert am Strand auf Mallorca

Auch das ist etwas, das ich heute anders sehe.

Wir Deutschen können ziemlich gut funktionieren.

Wir können uns zusammenreißen.

Wir können professionell bleiben.

Wir können auch dann noch weitermachen, wenn wir eigentlich längst eine Pause bräuchten.

Ich kenne das sehr gut.

Aber Gefühle lassen sich nicht dauerhaft wegorganisieren.

Und das Leben wird nicht leichter, wenn man ständig versucht, alles unter Kontrolle zu halten.

Spanien hat mir geholfen, spontaner zu werden.

Mehr auszudrücken.

Mehr zuzulassen.

Nicht jede Situation sofort analysieren und lösen zu müssen.

Manchmal einfach zu fühlen, was gerade da ist.

Und dann weiterzugehen.


Perfektionismus? Den habe ich auch ein bisschen zurückgelassen.

Zum Glück.

Denn Perfektionismus sieht von außen oft ziemlich beeindruckend aus.

Man ist zuverlässig.

Anspruchsvoll.

Gründlich.

Man liefert.

Aber innerlich kann es ganz schön anstrengend werden.

Irgendwann habe ich gemerkt:

Nicht alles muss perfekt sein.

Ein Essen darf einfach gut schmecken.

Ein Tag darf chaotisch sein.

Ein Plan darf sich ändern.

Und ich darf etwas tun, ohne es anschließend noch fünfmal zu optimieren.

Das war für mich tatsächlich eine Befreiung.


Und dann habe ich angefangen, das Leben weniger ernst zu nehmen

Das klingt vielleicht banal.

Ist es aber nicht.

Ich kann heute über Dinge lachen, über die ich mich früher wahrscheinlich noch lange geärgert hätte.

Eine Verspätung ist nicht automatisch eine Katastrophe.

Eine Planänderung nicht automatisch ein Problem.

Und wenn etwas nicht funktioniert, heißt das nicht, dass alles falsch ist.

Manchmal bedeutet es einfach:

Dann eben anders.

Diese drei Worte haben mir erstaunlich viel Freiheit gegeben.


Ich bin nicht weniger ambitioniert geworden

Das ist mir wichtig.

Spanien hat mich nicht zu einem anderen Menschen gemacht.

Ich bin nicht plötzlich jemand geworden, dem alles egal ist und der den ganzen Tag am Strand liegt.

Ich liebe es nach wie vor, Dinge zu bewegen.

Ich übernehme Verantwortung.

Ich habe Ziele.

Ich bin anspruchsvoll.

Aber ich habe etwas dazugelernt.

Ich kann ambitioniert sein und trotzdem Pause machen.

Ich kann planen und trotzdem loslassen.

Ich kann Verantwortung übernehmen und trotzdem das Leben genießen.

Ich kann pünktlich sein und mich trotzdem nicht über zehn Minuten Verspätung aufregen.

Ich habe mein altes Ich nicht abgeschafft.

Ich habe es erweitert.


Was mir 30 Jahre Spanien wirklich gegeben haben

Wenn ich heute auf diese 30 Jahre zurückblicke, dann sehe ich vor allem einen riesigen Perspektivwechsel.

Spanien hat mir gezeigt, dass meine Art zu leben nicht die einzige Möglichkeit ist.

Dass viele meiner Muster und Gewohnheiten erlernt sind.

Dass wir uns verändern können, ohne jemand anderes werden zu müssen.

Dass neue Kulturen uns etwas schenken können, wenn wir bereit sind, uns wirklich auf sie einzulassen.

Und dass Lebensfreude manchmal erstaunlich einfache Dinge braucht:

gutes Essen.

Menschen, mit denen man gerne am Tisch sitzt.

Sonne.

Zeit.

Lachen.

Eine lange Mittagspause.

Und manchmal einfach einen Nachmittag, an dem nichts besonders Wichtiges passiert.

Vielleicht ist das die größte Veränderung, die Spanien in mir ausgelöst hat:

Ich habe aufgehört zu glauben, dass das Leben immer optimiert werden muss.

Ich möchte es erleben.

Mit allem, was dazugehört.

Mit den schönen Dingen.

Mit den Umwegen.

Mit den Veränderungen.

Und ja – auch mit einer Siesta.

Denn nach 30 Jahren Spanien weiß ich:

Manchmal ist es genau das, was wir nicht tun, das unser Leben besser macht.

Und wenn ich heute um 14 Uhr keine Lust habe, etwas zu erledigen?

Dann kann es durchaus passieren, dass ich denke:

„Mañana.“

Morgen ist auch noch ein Tag.


Und vielleicht ist Spanien auch dein nächstes Kapitel?

Wenn du schon länger darüber nachdenkst, deinen Lebensmittelpunkt nach Spanien zu verlegen, dann lass uns darüber sprechen.

Nicht nur über Immobilien, Formalitäten oder die Frage, wo du in Spanien leben könntest.

Sondern darüber, wie dein Leben hier tatsächlich aussehen könnte.

Denn zwischen „Ich könnte mir vorstellen, in Spanien zu leben“ und „Ich weiß, dass Spanien zu meinem Leben passt“ liegt ein ziemlich großer Unterschied.

Genau darum wird es in meinem nächsten Kapitel gehen:

EXTRAORDINARY NEXT CHAPTER · Spanien auf Probe

Eine Möglichkeit, Spanien nicht nur zu besuchen, sondern herauszufinden, wie es sich anfühlt, hier wirklich zu leben.

Das Angebot ist gerade im Entstehen.

Wenn dich das Thema bereits länger beschäftigt, schreib mir einfach eine Nachricht.

Vielleicht ist es Zeit, herauszufinden, was dein nächstes Kapitel in Spanien sein könnte.

Schreibe mir gerne hier

Ich freue mich auf deine Nachricht.

Silvia Belmonte

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